Simon Höller und der ewige Jahrtag

In der Chronik der königlich privilegierten Schützengilde taucht der Name Simon Höller erstmals im Jahr 1633 auf. Zu dieser Zeit tobte der 30jährige Krieg und war Straubing auch von diesem bisher verschont geblieben, sollte sich das im November 1633 ändern. Die Schweden kamen in der Nacht vom 19. Auf 20. November auf der Suche nach Winterquartieren nach Alburg und belagerten im Anschluss die Stadt. Die Straubinger waren zwar durchaus vorbereitet, man hatte beispielsweise die Donaubrücke teilweise abgebrochen, den Moosmühlbach angestaut und das Schussfeld vor der Stadt von Gebäuden und Buschwerk befreit, lange konnte die Stadt aber nicht standhalten. Die Schweden waren an Mannstärke und Artillerie um ein vielfaches überlegen und Entsatz durch befreundete Truppen war nicht in Sicht, so blieb dem Stadtkommandanten Oberst Haslang nur die Kapitulation um eine vollständige Plünderung der Stadt zu verhindern. Die Stadt Straubing wurde deshalb bereits am 23.November 1633 an die Schweden übergeben.

Simon Höller, damals 32 Jahre alt, war bei der Belagerung durch die Schweden bereits Führer der Bürgermiliz und Schützenkommissar der Gilde. Die Bürgermiliz führte Höller offenbar mit Umsicht, Tapferkeit und persönlichem Einsatz. Angeblich habe er alleine dutzende schwedische Offiziere mit seinem Radschlossgewehr „vom Leben zum Tode befördert“ (Dieses Radschlossgewehr befindet sich heute im Gäubodenmuseum, ob es ich dabei um Höllers Original handelt darf aber zumindest in Frage gestellt werden, da die Miliz selbstverständlich von den Schweden entwaffnet wurde und das Originalgewehr daher vermutlich zur Beute eines Schweden oder Söldners wurde) Simon Höller der 1601 in Straubing geboren wurde, wurde 1641 für seine Verdienste bei der Belagerung durch die Schweden  von Kaiser Ferdinand III. in den Reichsadelsstand erhoben.

Zu diesem Zeitpunkt war Höller schon eine recht erfolgreiche Karriere geglückt, schon 1634 war er Mitglied des äußeren Rats (der Stadt) und bereits 1635 rückte er in den inneren Rat auf. Im Jahr 1651 wurde er Bürgermeister der Stadt Straubing und in diesem Amt bis zu seinem Tod im Jahr 1675 immer wieder bestätigt. Parallel dazu war er als Apotheker tätig unter anderem in der heutigen Einhorn Apotheke die er 1635 gekauft hatte. Zeit seines Lebens war Simon Höller dem Schützenwesen sehr verbunden und wie bereits erwähnt war er bereits im Jahr 1633 Schützenkommissar. Dieses Amt bekleidete er bis zu seinem Tod. Um seine besondere Verbindung mit den Schützen zu zeigen stiftete Simon Höller mit Urkunde vom 3. Mai 1663 den „Ewigen Jahrtag“ der Schützengilde Straubing zum Gedenken an die verstorbenen Mitglieder der Gilde. Höller legte in der Urkunde fest, dass dieser Gendenktag immer im Zeitraum von 14 Tagen vor oder nach St. Georg (23.April) stattfinden sollte und zwar in der Kirche St. Peter. Diese Kirche beziehungsweise die zugehörige Pfarrei bedachte er aus seinen Mitteln finanziell, gab aber zugleich exakt vor wie der „ewige Jahrtag“ zu gestalten sei.

Der von Simon Höller ins Leben gerufen „ewige Jahrtag“ hat glücklicherweise die Jahrhunderte überdauert und wird noch heute jedes Jahr gefeiert. Mittlerweile hat sich als festes Datum der „weiße Sonntag“ (der erste Sonntag nach Ostern) etabliert und man weicht damit je nachdem wie Ostern „fällt“ ein wenig von der Höllerischen Vorgabe ab, auch die Kirche ist nicht mehr dieselbe, aber zumindest wird der „ewige Jahrtag“ noch regelmäßig gefeiert – und darauf kommt’s an!

Begangen wird der „ewige Jahrtag“ nicht mehr nur von der köngl. priv. Schützengilde Straubing alleine, sondern von vielen Schützenvereinen aus der Stadt und dem Schützengau Straubing-Bogen. Man trifft sich mit Schützenanzug, Schützenketten und Fahnen am Sonntagmorgen, feiert eine Messe und begibt sich im Anschluss unter musikalischer Begleitung auf einem Zug durch die Stadt zum Schützenhaus am Hagen. Dort folgt dann noch ein offizieller Teil mit Reden des 1.Schützenmeisters der Gilde und des Oberbürgermeisters der Stadt Straubing und zum Abschluss des „ewigen Jahrtags“ gibt es einen Frühschoppen mit musikalischer Begleitung.

M. Geiger